Chinese New Year 2026
Ein Global Player in Betriebsferien oder wie ein Frühlingsfest die europäische Elektronikbranche ausbremst
Wenn Anfang Februar 2026 in China das neue Jahr gefeiert wird, steht ein ganzes Land still – und mit ihm ein entscheidender Teil der globalen Elektronikproduktion. Für viele europäische Unternehmen bedeutet das jedes Jahr aufs Neue: Produktionspläne müssen angepasst, Lieferzeiten verlängert und Bestellungen frühzeitig abgesichert werden. Unser folgender Artikel sagt Ihnen, wann genau das Chinese New Year 2026 stattfindet, welche Auswirkungen es auf Lieferketten hat und europäische Elektronikfirmen darauf reagieren können.
Das Chinese New Year (auch Frühlingsfest genannt) ist der wichtigste Feiertag in China – vergleichbar mit Weihnachten und Neujahr zusammen. Für Millionen von Menschen ist es die einzige Zeit im Jahr, um ihre Familien zu besuchen. Jährlich begeben sich während des sogenannten „Chunyun“, der größten menschlichen Migrationsbewegung der Welt, über 300 Millionen Menschen auf Reisen.
2026 fällt das Neujahrsfest auf den Montag, 16. Februar, die offiziellen Feiertage dauern bis Sonntag, 22. Februar 2026. In der Praxis sind die Auswirkungen jedoch deutlich länger zu spüren: Schon eine bis zwei Wochen vor dem Fest beginnen die ersten Fabriken, ihre Produktion herunterzufahren, und erst ein bis zwei Wochen nach dem offiziellen Ende laufen viele Werke wieder mit voller Kapazität.
Ein Produktionsleiter eines südchinesischen Produzenten bringt es auf den Punkt:
„Wenn die Arbeiter einmal auf dem Heimweg sind, ist das Werk leer – und selbst nach den Feiertagen dauert es, bis alle wieder zurück sind. Wir planen jedes Jahr rund drei Wochen Stillstand ein.“
Dass ein wirtschaftliches Schwergewicht wie China jährlich für mehrere Wochen fast vollständig zum Erliegen kommt, erstaunt westliche Beobachter immer wieder. Der Grund liegt in der tiefen kulturellen Bedeutung des Fests.
Das Frühlingsfest symbolisiert den Neuanfang im traditionellen Mondkalender. Die Reise in die Heimat gilt als moralische Pflicht, und die Wiedervereinigung der Familie steht im Mittelpunkt. Unternehmen, die versuchen würden, diese Tradition zu durchbrechen, riskieren nicht nur Unzufriedenheit, sondern auch einen dauerhaften Verlust von Arbeitskräften.
„Es ist ein sozialer Vertrag“, sagt ein Sinologe der Universität Peking. „Der Staat und die Unternehmen akzeptieren die Pause, weil sie das Rückgrat der Gesellschaft stabil hält.“
Für europäische Einkäufer ist es wichtig zu verstehen, dass sich der Stillstand in der Praxis über bis zu sechs Wochen erstrecken kann:
| Phase | Zeitraum (2026) | Auswirkungen |
| Vorlauf / Produktions-Endspurt | Anfang Januar – Mitte Februar | maximale Auslastung, eingeschränkte Annahme neuer Aufträge |
| Offizielle Feiertage | 16. – 22. Februar | Fabriken, Speditionen, Häfen geschlossen |
| Nachlauf / Hochlauf | Ende Februar – Mitte März | verzögerte Rückkehr des Personals, Produktionsanlauf |
Gerade bei Prozessen mit aufwändiger Inbetriebnahme – etwa in der Leiterplatten- oder Halbleiterfertigung – kann das Wiederanfahren der Produktion zusätzliche Tage bis Wochen dauern. Öfen müssen aufgeheizt, Produktionsparameter neu kalibriert und Materialflüsse wieder eingespielt werden.
Die Elektronikbranche ist von dieser Unterbrechung besonders betroffen. China ist nach wie vor das Herzstück vieler EMS-, PCB- und Komponentenfertigungen.
Typische Effekte:
Branchenportale wie AllThingsSupplyChain berichten regelmäßig, dass Kunden von Leiterplattenherstellern in Asien nach CNY mit Lieferverzögerungen von 2–4 Wochen rechnen müssen – in Spitzenzeiten sogar länger.
Was in Shenzhen oder Suzhou passiert, spüren Zulieferer und Produzenten in Europa oft schon kurze Zeit später.
In vielen Elektronikprodukten – von der industriellen Steuerung bis zum Konsumgerät – stammen gedruckte Schaltungen, Steckverbinder, Gehäuse oder passive Bauteile aus China. Wenn dort die Fertigung pausiert, geraten europäische Montagewerke schnell unter Druck.
Eine häufig getätigte Aussage von Einkäufern aus unserem EMS-Dienstleister Netzwerk beschreibt die Lage so:
„Selbst wenn wir hier alles auf Lager haben, fehlt oft eine einzige Komponente aus Asien – und schon steht die Linie.“
Die Folgen:
Laut einer Studie der Europäischen Zentralbank zu globalen Lieferketteneffekten verstärken saisonale Unterbrechungen in China regelmäßig die Volatilität europäischer Produktionsindizes im ersten Quartal.
Wie auch wir, haben viele europäische Elektronikunternehmen gelernt mit den jährlichen Engpässen umzugehen – wir können die Pause nicht verhindern, aber gemeinsam mit unseren Kunden ihre Auswirkungen deutlich dämpfen.
Bestellungen werden heute spätestens Anfang Dezember platziert, um sicherzustellen, dass die Ware vor dem CNY verschifft wird. Einige Unternehmen arbeiten mit Jahresabrufplänen und definieren feste Produktionsfenster vor dem Frühlingsfest.
Kritische Komponenten – etwa kundenspezifische Leiterplatten oder Mikrocontroller – werden in Sicherheitslagern vorgehalten. Die Lagerkosten sind zwar hoch, aber im Vergleich zum Risiko eines Produktionsstillstands oft gerechtfertigt.
Einige Hersteller verlagern Teilfertigungen nach Vietnam, Malaysia oder Osteuropa, um die Abhängigkeit von China zu reduzieren. Diese Strategie ist jedoch langfristig – kurzfristig bleibt die Abhängigkeit bestehen.
Erfolgreiche Unternehmen halten engen Kontakt mit ihren asiatischen Lieferanten und klären frühzeitig Cut-off-Daten und priorisieren Aufträge.
Unsere Erfahrung:
„Wer im Januar erst anfängt, mit China zu sprechen, hat eigentlich schon verloren.“
Frühzeitige Buchung von Transportkapazitäten, vertraglich gesicherte Slots bei Spediteuren und alternative Routen über weniger überlastete Häfen sind gängige Maßnahmen der europäischen Handelsketten.
Trotz aller Strategien gibt es Faktoren, die sich nicht vollständig kontrollieren lassen:
Selbst westliche Werke in Europa, die vermeintlich unabhängig produzieren, spüren indirekt die Nachwirkungen, sobald ein Teil aus der Wertschöpfungskette ausfällt.
Der Markt folgt einem klaren Muster:
In der Praxis bedeutet das für europäische Einkäufer:
Beispiel PCB: Eine Bestellung, die am 1. Februar eingeht, kann erst Ende März produziert und verschifft werden – Ankunft in Europa entsprechend Ende April/Mitte Mai.
Unternehmen, die im ersten Quartal 2026 liefern müssen, sollten jetzt handeln.
Die wichtigsten Maßnahmen im Überblick:
Das Chinese New Year ist keine unvorhersehbare Krise – es ist ein jährlich wiederkehrendes, planbares Ereignis. Wer wie wir seine Beschaffungsprozesse darauf ausrichtet, kann die Folgen erheblich abmildern.
Doch eines bleibt klar:
Die globale Elektronikindustrie ist auf China angewiesen, und das Frühlingsfest ist Teil dieser Realität. Der einzige Weg, damit umzugehen, ist vorausschauende Planung.
Oder, wie es unser Einkauf formuliert:
„Chinese New Year kommt jedes Jahr – Überraschung ist keine Entschuldigung.“
| Komponentengruppe | Typische Lieferzeit (Vor CNY) | Spätestes Bestelldatum (für Lieferung vor CNY 2026) | Risiko bei späterer Bestellung | Empfohlene Maßnahme | Erwartete Verzögerung nach CNY (bei Bestellung nach 1. Feb 2026) |
| Leiterplatten (PCB, Standard FR4) | 3–4 Wochen | 20. Dezember 2025 | Produktion erst nach März 2026 möglich | Frühe Bestellung, PCB-Panelisierung bündeln | +3–5 Wochen |
| Komplexe PCBs (HDI, Multilayer, Impedanzkontrolle) | 5–6 Wochen | Anfang Dezember 2025 | Fertigung vor CNY kaum realisierbar | Forecast bis Q1 sichern, Lieferantenslot reservieren | +5–8 Wochen |
| Elektronische Bauteile (Passive, Standard-ICs) | 2–3 Wochen | Anfang Januar 2026 | Längere Transitzeiten, Verzögerung im Versand | Lagerbestände erhöhen, Alternativquellen aktivieren | +2–4 Wochen |
| Halbleiter / MCUs / Spezielle ICs | 6–12 Wochen (teilweise >16) | Oktober–November 2025 | Kein kurzfristiger Ersatz möglich | Frühzeitige Jahresbestellung, Rahmenverträge | +6–10 Wochen |
| Mechanische Teile (Gehäuse, Frontplatten, CNC-Teile) | 4–6 Wochen | Mitte Dezember 2025 | Fertigungsunterbrechung, Versandstau | Auftragssplitting, ggf. lokale Beschaffung prüfen | +4–6 Wochen |
| Kabelbäume / Steckverbinder / Harnesses | 3–5 Wochen | Mitte Dezember 2025 | Kapazitätsengpässe, hohe Nachlaufzeiten | Frühbestellung, Alternativlieferanten einplanen | +3–5 Wochen |
| EMS / Baugruppenfertigung (PCBA) | 6–8 Wochen | Anfang Dezember 2025 | Slot-Verlust, verspätete Endmontage | Fertigungsfenster reservieren, Komponenten vorlagern | +4–6 Wochen |
| Metall- und Stanzteile (Bleche, Kühlkörper) | 3–4 Wochen | 20. Dezember 2025 | Produktions- und Logistikstau | Lokale Lieferanten prüfen, Vorproduktion | +3–4 Wochen |
| Kunststoffteile (Spritzguss) | 4–6 Wochen | Anfang Dezember 2025 | Formenstillstand, hoher Energieanlauf | Produktion vorziehen, Pufferlager | +4–6 Wochen |
| Verpackungsmaterialien / Etiketten | 2 Wochen | Mitte Januar 2026 | Logistikverzug, Lieferstopps | Frühzeitige Nachbestellung | +2–3 Wochen |
Zertifiziert nach
DIN EN ISO 9001:2015
Bundesverband Materialwirtschaft Einkauf und Logistik e.V.
Aktive Mitgliedschaft
(Zentralverband Elektrotechnik-
und Elektronikindustrie e.V.)
Gründungsmitglied
Netzwerk-EMS e.V.
Ausbildungsbetrieb
in der IHK Aachen
