KI-Boom verändert den Elektronikmarkt
Warum auch klassische Industriebaugruppen betroffen sind!
Künstliche Intelligenz ist längst mehr als ein Softwarethema. Der weltweite Ausbau von KI-Infrastruktur und Rechenzentren entwickelt sich zu einem erheblichen Einflussfaktor für die gesamte Elektronikindustrie.
Die Auswirkungen reichen inzwischen weit über KI-Prozessoren hinaus. Speicherbausteine, Halbleiter, Leiterplatten, Stromversorgungstechnik, Kupfer und weitere Rohstoffe werden in großen Mengen benötigt.
„Warum wird unsere klassische Industriebaugruppe teurer oder schwieriger zu beschaffen, obwohl unser Produkt überhaupt nichts mit künstlicher Intelligenz zu tun hat“?
Eine wesentliche Antwort darauf lautet: Angebot und Nachfrage.
Besonders deutlich zeigt sich dies derzeit im Speichermarkt.
KI-Systeme benötigen große Mengen High Bandwidth Memory (HBM) sowie Server-DRAM. Diese Produkte sind stark nachgefragt und wirtschaftlich attraktiv. Speicherhersteller richten deshalb vorhandene und neue Produktionskapazitäten verstärkt auf AI- und Serveranwendungen aus.
Wird ein größerer Teil für hochwertige AI-Produkte eingesetzt, steht weniger Kapazität für konventionelle Speicherprodukte zur Verfügung. Deren Nachfrage verschwindet aber nicht.
Weniger Angebot trifft auf weiterhin vorhandene Nachfrage – Lieferzeiten und Preise steigen.
Der KI-Boom kann deshalb paradoxerweise dazu führen, dass gerade konventionelle Komponenten schwieriger oder teurer zu beschaffen sind.
Für elektronische Baugruppen ist die Leiterplatte eine Schlüsselkomponente – und auch hier beobachten wir inzwischen erhebliche Veränderungen bei Preisen und Lieferzeiten.
AI-Server und Hochleistungselektronik benötigen technisch anspruchsvolle Multilayer- und High-End-PCBs. Gleichzeitig werden dafür große Mengen an Basismaterialien und Kupfer benötigt.
Für Leiterplattenhersteller ist es wirtschaftlich attraktiv, verfügbare Materialien und Fertigungskapazitäten für höherwertige Produkte einzusetzen. Das kann dazu führen, dass einfache Standardtechnologien wie zweilagige Leiterplatten gegenüber komplexeren und margenstärkeren Produkten an Priorität verlieren.
Diese Entwicklung spüren wir inzwischen unmittelbar in unserer täglichen Beschaffung: Für bestimmte zweilagige Leiterplatten erhalten wir von Lieferanten teilweise keine Angebote mehr.
Damit wird die Leiterplatte zunehmend zu einer preis- und lieferzeitbestimmenden Komponente einer elektronischen Baugruppe.
| +58 bis +63 % | erwarteter Anstieg der Vertragspreise für konventionelles DRAM in Q2 2026 gegenüber dem Vorquartal. |
| +13 bis +18 % | weitere erwartete Preissteigerung für konventionelles DRAM in Q3 2026. |
| +50 bis +60 % | prognostiziertes Wachstum der ausgelieferten HBM-Bitmenge für 2027 – bei weiterhin hoher Nachfrage. |
| bis mindestens 2027 | wird mit einer angespannten DRAM-Versorgung gerechnet. |
Die Elektronikindustrie kann auf die zusätzliche Nachfrage nicht kurzfristig reagieren. Neue Halbleiterfabriken und Produktionskapazitäten erfordern hohe Investitionen und lange Planungs-, Qualifizierungs- und Hochlaufzeiten.
Ähnliches gilt für Teile der PCB-Lieferkette. Neue Kapazitäten für anspruchsvolle Leiterplattentechnologien und entsprechende Basismaterialien lassen sich ebenfalls nicht kurzfristig aufbauen. Der Wettbewerb um vorhandene Kapazitäten dürfte uns deshalb weiter begleiten.
Nicht jedes elektronische Bauteil und nicht jede Leiterplatte wird automatisch knapp, weil weltweit neue KI-Rechenzentren entstehen. Die Auswirkungen unterscheiden sich je nach Produktgruppe, Technologie und Hersteller.
Für Einkäufer und Entwickler wird es jedoch wichtiger, die Versorgungssicherheit bereits bei der Bauteil- und Leiterplattenauswahl zu berücksichtigen.
Second Sources, alternative Bauteile, frühzeitige Forecasts und eine rechtzeitige Bedarfsplanung können helfen, Beschaffungsrisiken zu reduzieren.
Gerade bei Produkten mit langen Lebenszyklen sollte nicht nur gefragt werden: „Was kostet die Komponente heute?“ Sondern auch: „Wie sicher können wir diese Komponente in den kommenden Jahren beschaffen?“
Der weltweite KI-Boom verändert die Kräfteverhältnisse auf dem Elektronikmarkt.
Hersteller konzentrieren ihre begrenzten Ressourcen zunehmend auf stark nachgefragte und wirtschaftlich attraktive Produkte. Dadurch können sich Kapazitäten für konventionelle Komponenten und Technologien verknappen.
Weniger verfügbares Angebot bei weiterhin vorhandener Nachfrage bedeutet steigende Preise und höhere Beschaffungsrisiken.
Davon können Speicherbausteine ebenso betroffen sein wie Leiterplatten und weitere Komponenten einer klassischen Industriebaugruppe – auch wenn das Endprodukt selbst überhaupt nichts mit künstlicher Intelligenz zu tun hat.
Für die Elektronikbeschaffung bedeutet dies: Frühzeitige Planung, aktuelle Angebote, transparente Forecasts und die rechtzeitige Prüfung von Alternativen gewinnen weiter an Bedeutung.
Wir beobachten die Entwicklungen bei elektronischen Komponenten, Leiterplatten, Rohstoffen und internationalen Lieferketten kontinuierlich und informieren unsere Kunden über relevante Veränderungen bei Verfügbarkeit, Lieferzeiten und Preisen.
Recherche mittels KI-Unterstützung. Beitrag wurde redaktionell bearbeitet.
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Kupfer auf Rekordkurs